Wenn Menschen das Wort „Rallye“ hören, denken sie meist an laute, modifizierte Fahrzeuge, die über Schotterpisten jagen, weite Sprünge meistern und durch enge, gefährliche Kurven driften. Doch Rallyesport ist weit mehr als das.
Viele Rallyes verzichten auf unbefestigte Schotterwege und grosse Sprünge und fordern die Teams stattdessen mit anspruchsvollem, abwechslungsreichem Terrain heraus. Eine davon ist die Rallye du Chablais – eine der renommiertesten regionalen Rallyes Europas. Sie ist eine anspruchsvolle, hochgradig technische Herausforderung über Schweizer Bergstrassen, die sowohl zur FIA European Rally Trophy als auch zur Schweizer Rallye-Meisterschaft zählt.
In den letzten Jahren hat sie sich durch die Einführung einer eigenen Gleichmässigkeitsklasse für Elektro-Rallyes (E-Rally Regularity) zu einem Vorreiter für nachhaltigen Motorsport entwickelt.
Stéphanie und Guillaume sind leidenschaftliche Besitzer eines Mustang Mach-E und seit vielen Jahren überzeugte Ford-Markenbotschafter. Schon immer träumten die beiden davon, an einer Rallye teilzunehmen. Genau das taten sie bei der Rallye du Chablais 2026 – in einem Puma Gen-E.¹

From the Road hatte die Gelegenheit, sich mit den beiden Rallye-Enthusiasten über ihre Erlebnisse zu unterhalten.
Fangen wir mit der naheliegendsten Frage an: Wie kam es überhaupt dazu, mit einem Puma Gen-E bei der Rallye du Chablais an den Start zu gehen?
Guillaume: Die Teilnahme an einer Rallye war schon immer unser Traum. Man schaut Legenden wie Colin McRae oder Sébastien Loeb zu und denkt: „Das will ich auch machen!“ Aber klassischer Rallyesport ist extrem teuer, deshalb fühlte es sich lange Zeit wie ein unerreichbarer Traum an. Bis wir vor zwei Jahren vom FIA Eco Rally Cup erfuhren, bei dem man mit ganz alltäglichen Elektroautos antreten kann.
Das Konzept hat uns sofort begeistert, aber unsere Mach-Es sind aufwendig modifiziert und eher für Automobilmessen als für den Rallyeeinsatz getunt. Letztes Jahr trafen wir dann bei einem Ford-Europa-Treffen in Spanien einen Ford-Vertreter und fragten ihn, ob wir ein Fahrzeug als Leihgabe für eine Rallye bekommen könnten. Er hat sofort zugestimmt.
Mit Unterstützung des Kommunikationsleiters von Ford Schweiz fügte sich dann alles perfekt zusammen. Wir absolvierten einen Beifahrer-Zertifizierungskurs, um unsere offiziellen Rennlizenzen zu erhalten.

“Das Auto fühlte sich vom ersten Moment an unheimlich präzise an....Selbst als Rallye-Neuling habe ich mich sofort wohl und sicher gefühlt.”Stéphanie Métrailler Maris
Eigentlich wollten wir im August bei der E-Rally starten. Dann erfuhren wir jedoch, dass die Organisatoren der Rallye du Chablais die eigenständige Eco-Rally-Klasse gestrichen und die Elektrofahrzeuge direkt in die schnelle Rallye auf abgesperrten Strassen integriert hatten. Das bedeutete völlig andere Bedingungen und ein neues Reglement.
Wir schrieben Ford: „Wir brauchen sofort ein Auto!“ Sie gaben grünes Licht, und wir erhielten einen brandneuen Puma Gen-E – genau eine Woche vor der Rallye.
Sie nutzen beide den Mach-E im Alltag. Welchen Eindruck hatten Sie vom Puma Gen-E, als Sie ihn zum ersten Mal gefahren sind?
Stéphanie: Guillaume war ihn im letzten Sommer 45 Minuten lang auf einer spanischen Autobahn gefahren. Ich sass das erste Mal bei den Besichtigungsfahrten – den sogenannten „Reco“-Etappen zur Streckenerkundung – hinter dem Steuer. Das war eine völlig andere Erfahrung.

Das Auto fühlte sich vom ersten Moment an unheimlich präzise an. Das Handling ist fantastisch und die Effizienz hervorragend. Er ist kompakt, wendig und es macht einfach unglaublich viel Spass, ihn über diese engen Schweizer Strassen zu bewegen. Selbst als Rallye-Neuling habe ich mich sofort wohl und sicher gefühlt.
Der Einsatz von Elektroautos im Rallyesport wird oft kontrovers diskutiert. Wie waren die Reaktionen der Fans und der anderen Teams in Chablais?
Guillaume: Es war überwältigend, denn es gab absolut keine Vorbehalte. Die Rallye du Chablais ist ein internationaler europäischer Wettbewerb, das heisst, unser Fahrerlager lag direkt neben den Siegern der Rallye-Europameisterschaft und historischen Rallyefahrzeugen. Wir waren die Pioniere in einer brandneuen Kategorie.
Am Anfang schauten uns einige Teams an und fragten: „Ihr seid in einem elektrischen Puma unterwegs? Okay … aber warum strahlt ihr so?“ Wir lachten und antworteten: „Weil wir uns gerade unseren Traum erfüllen!“ Sie haben jedoch schnell gemerkt, wie konkurrenzfähig das Auto wirklich war.


Stéphanie: Ausserdem ist das Auto so leise, dass die Zuschauer oft erst bemerkten, dass wir heranfuhren, als sie die Reifen auf dem Asphalt greifen hörten. Auf den Bergetappen war ich voll auf die Strasse fokussiert, aber aus dem Augenwinkel sah ich immer wieder winkende und lächelnde Menschen – also habe ich zurückgewinkt. Die Fans waren im Vergleich zu vor fünf oder zehn Jahren bemerkenswert aufgeschlossen.
Erzählen Sie uns von Ihrem Rallye-Erlebnis. Wie war es, die Schweizer Berge im Puma Gen-E in Angriff zu nehmen?
Guillaume: Es war pure, intensive Freude. Im Auto herrschten 35 Grad Celsius, wir trugen Rennanzüge und Helme, und der Druck war spürbar. Wir haben Hunderte Kilometer anspruchsvoller Bergetappen zurückgelegt. Als Beifahrer neben Stéphanie zu sitzen, das Roadbook in den Händen zu halten und den Countdown des Starters zu hören – „3 … 2 … 1 … Los!“ – das war einfach spektakulär.

Stéphanie: Das sofortige Drehmoment des Elektromotors ist unglaublich. Im Puma Gen-E erfolgt die Kraftentfaltung unmittelbar, direkt und extrem dynamisch. Man tritt aufs Pedal und – wusch – ist man schon weg. Wir haben den ersten Tag mit einem breiten Grinsen im Gesicht beendet.
Kommen wir zur entscheidenden Frage: Wie haben Sie in diesem stark besetzten Feld abgeschnitten?
Guillaume: Nun, wir haben die Gleichmässigkeitswertung der Kategorie „New Energies“ gewonnen – es lief also extrem gut! Auf einer der Wertungsprüfungen erzielten wir sogar die zweitbeste Zeit über alle Kategorien hinweg. Wir traten gegen sehr erfahrene Teams an, aber Stéphanie fuhr mit einer unglaublichen Präzision und hielt uns perfekt auf unserer Soll-Durchschnittsgeschwindigkeit.



Als wir am Ende des Wochenendes auf dem Podium standen, wussten wir, dass wir genau das bewiesen hatten, was wir uns vorgenommen hatten: Ein Elektroauto kann problemlos mit den Besten mithalten.
Bei Rallyes ist man viel unterwegs und benötigt eine Menge Ausrüstung. Wie hat sich die praktische Seite des Autos geschlagen – etwa der Komfort im Innenraum und natürlich der MegaBox-Kofferraum?
Guillaume: Wir hatten jede Menge Gepäck – Rennanzüge, Helme, Handschuhe und Reisetaschen –, und der Puma hat das alles meisterhaft weggesteckt. Der Komfort im Innenraum war erstklassig, insbesondere die gut stützenden Sitze und die hervorragende Rundumsicht, was bei schnellen Fahrten über Gebirgspässe entscheidend ist.
Das Ansprechverhalten des Fahrwerks passte perfekt zu den wechselnden Streckenbelägen. Und der zusätzliche Stauraum im Kofferraum dank der MegaBox machte das Verstauen unseres sperrigen Equipments denkbar einfach. Ein rundum durchdachtes Konzept.

Wie haben Sie die Ladevorgänge in den Rallye-Zeitplan integriert und wie hat sich der Puma Gen-E pro Akkuladung geschlagen?
Guillaume: Das war tatsächlich die ultimative Bewährungsprobe. In unserer Kategorie sind die Regeln sehr streng: Im Gegensatz zu Benzinern, die jederzeit nachgetankt werden können, durften Elektrofahrzeuge nur über Nacht am Ende des ersten Renntages geladen werden. Das bedeutete, dass der Akku alle schnellen Bergetappen, Steigungen, Gefälle und Verbindungsetappen mit einer einzigen Ladung bewältigen musste.
Der Puma Gen-E hat uns schlichtweg umgehauen. Nach 284 Kilometern anspruchsvollster alpiner Rallyefahrt erreichten wir den Nachtstopp mit einer Restkapazität von 20 Prozent. Das ist der beste Beweis für die reale Effizienz und Reichweite dieses Autos.

Bei alltäglichen Fahrten und dank der guten Schnellladeinfrastruktur in ganz Europa sowie hilfreichen Routenplaner-Apps ist Reichweitenangst mit diesem Fahrzeug überhaupt kein Thema.
Der Puma Gen-E hat ganz offensichtlich einen bleibenden Eindruck bei Ihnen hinterlassen. Wie sieht Ihre gemeinsame Zukunft mit dem Auto aus – sowohl privat als auch im Motorsport?
Guillaume: Wir erwarten die Auslieferung unseres eigenen Puma Gen-E in diesem September. Er wird neben unseren beiden Mach-Es der dritte vollelektrische Ford in unserer Garage sein. Für unsere Familie ist er die perfekte Ergänzung für jeden Tag: wendig, kompakt und dennoch so geräumig, dass unsere Tochter hinten bequem Platz hat.
Auch unsere Rallye-Reise geht weiter. Wir planen bereits unseren nächsten Einsatz im Oktober: die Rallye du Valais, die praktisch direkt vor unserer Haustür stattfindet – nur 20 Kilometer von unserem Zuhause entfernt.

Aktuell suchen wir nach Sponsoren und möchten sogar einen eigenen Instagram-Kanal namens Ford EV Racing Team ins Leben rufen. Wenn 2026 gut verläuft, wollen wir nächstes Jahr vier weitere Rallyes in Angriff nehmen – drei in der Schweiz und eine in Frankreich. Unser Ziel ist klar: Wir wollen auch beim nächsten Mal ganz oben auf dem Treppchen stehen!
Wadiur Hisham ist Autor für From the Road.
¹ Bis zu 376 km (ab April 2026 mit 417km) Reichweite bei voller Aufladung des Puma Gen-E. Geschätzte Reichweite ermittelt nach dem Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure (WLTP). Die angegebenen Werte dienen Vergleichszwecken und sollten nur mit anderen Fahrzeugen verglichen werden, die nach denselben technischen Verfahren getestet wurden. Die tatsächliche Reichweite variiert aufgrund von Faktoren wie Temperatur, Fahrverhalten, Streckenprofil, Fahrzeugwartung sowie Alter und Zustand der Lithium-Ionen-Batterie.

